Union Busting in Berlin: Wie die Zertifizierung Bau GmbH ihren Betriebsrat gefügig machen will

Nach Gründung des Betriebsrates: Statt des erhofften Dialogs folgte der totale Rechtskrieg.

Betriebsrat Mobbing Stoppen!

Union Busting: Der harte Kampf des Betriebsrats der Zertifizierung Bau GmbH

Berlin, März 2026 – Was als notwendige Reaktion auf belastende Arbeitsbedingungen begann, hat sich für den Betriebsrat der Zertifizierung Bau GmbH zu einem existenziellen Überlebenskampf entwickelt. Seit der Gründung im Mai 2025 sieht sich das fünfköpfige Gremium massiven Druck durch die Geschäftsführung ausgesetzt, die laut Vorwurf des Betriebsratsvorsitzenden Stefan Laarmann  systematisch auf die Zerschlagung der aktuellen Mitarbeitervertretung abzielt.

Von der Gründung zur Konfrontation

Die konstituierende Sitzung des Betriebsrats fand am 6. Mai 2025 statt. Auslöser war ein zunehmend angespanntes Klima im 60-Mitarbeiter-Betrieb. Beschäftigte klagten über hohen Druck, Arbeitsverdichtung und gesundheitliche Probleme. „Wir wollten uns organisieren und mittels des vom Gesetzgeber vorgesehenen Gremiums wehren“, so Laarmann, der als IT-Referent tätig ist.Die Reaktion der Geschäftsführung ließ nicht lange auf sich warten: Unmittelbar nach der Gründung wurde die Kanzlei CMS beauftragt. Diese ist bundesweit als spezialisierte „Union Busting“-Kanzlei bekannt, deren Strategie darauf ausgerichtet ist, Betriebsräte durch juristische Mittel handlungsunfähig zu machen oder unliebsame Mitarbeiter herauszuklagen. „Da sie hohe Honorare kassieren, haben sie kein Interesse an einer Deeskalation“, stellt Laarmann fest.

Persönliche Angriffe und juristische Schikanen

Die Strategie traf den Betriebsratsvorsitzenden persönlich mit voller Wucht. Nach über vier Jahren ohne jegliche Personalgespräche oder Vorwarnungen erhielt Laarmann kurz nach seiner Wahl vier Abmahnungen wegen angeblicher Pflichtverletzungen. Aktuell laufen zwei Zustimmungsersetzungsklagen beim Arbeitsgericht Berlin, da die Geschäftsführung seine fristlose Kündigung auf Basis von Verdachtskündigungen erzwingen will.„Liest man einschlägige Literatur zu Union Busting, ähnelt die Vorgehensweise wie ein Ei dem anderen“, analysiert Laarmann die Situation. Die finanziellen Folgen dieses Rechtsstreits belasten das Unternehmen: Während die Lebenshaltungskosten seit 2020 um 22 % gestiegen sind, erhielten die Mitarbeiter lediglich 2 % mehr Gehalt. Ressourcen, die für sinnvolle Investitionen fehlten, wurden stattdessen in Anwaltshonorare und Gerichtsverfahren verpulvert.

Ein Klima der Angst und gezielte Verdrängung

Neben den juristischen Angriffen beschreibt der Betriebsrat ein autoritäres Führungsklima. Besonders ältere Mitarbeiter gerieten unter Druck, den Betrieb zu verlassen, um durch jüngere, schlechter bezahlte Kräfte ersetzt zu werden. Der Betriebsrat sah dringenden Handlungsbedarf bei Überstunden, Urlaubsverboten und Fragen der Gender-Gerechtigkeit, kam aufgrund der ständigen Abwehrkämpfe jedoch kaum zu seiner eigentlichen Arbeit.Der Druck zeigt Wirkung: Drei der fünf ursprünglichen Betriebsratsmitglieder sind bereits zurückgetreten. Die Geschäftsführung nutzt diese Schwächephase, indem sie versucht, einen arbeitgeberfreundlichen „Gegen-Betriebsrat“ zu etablieren und sogar die Auflösung des aktuellen Gremiums beim Arbeitsgericht beantragt hat – mit der absurden Begründung, der Rat sei untätig, da er das Schwarze Brett nicht nutze.

Zynische Einzelfälle und der Weg vor Gericht

Besonders zynisch mutet der Fall an einer Mitarbeiterin die seit 20 Jahren im Betrieb. Trotz ihres fundierten Fachwissens, des dringenden fachlichen Bedarfs und ihrer eigenen finanziellen Notwendigkeit wurde ihr Vertrag zum Renteneintritt nicht verlängert. Bereichsleitungen hatten den Weiterbeschäftigungsbedarf mehrfach kommuniziert, doch die Geschäftsführung blieb hart. Der wahre Grund: Sie war ein aktives Betriebsratsmitglied.Trotz allem Druck gibt sich der verbliebene Betriebsrat kämpferisch. Für den 29. April 2026 um 11:00 Uhr ist beim Arbeitsgericht Berlin (Magdeburger Platz 1) eine entscheidende Verhandlung zur Kündigung anberaumt. „Wir gehen davon aus, den ersten Prozess zu gewinnen“, so Laarmann, rechnet aber sofort mit weiteren Beschwerden der Gegenseite, um den Konflikt künstlich in die Länge zu ziehen. „Es läuft alles nach einem perfiden Plan, aber wir lassen uns nicht einschüchtern.“Der Ausgang dieses Falls wird weit über die Zertifizierung Bau GmbH hinaus Signalwirkung für den Umgang mit Betriebsratsgründungen in der deutschen Bauwirtschaft haben.

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